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DIE REFORMATION UND IHRE ETABLIERUNG IN ÖSTERREICH |
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In der Frühphase (1520er-Jahre) und dann nochmals in den 1560er-Jahren trat ein grosser Teil des Adels in Nieder- und Oberrösterreich, der Steiermark,
Kärntens und Krains zum Protestantentum über. Nur der Westen Österreichs (Tirol, Vorarlberg) blieb davon unberührt. Der Adel versprach sich davon manchen Vorteil, zum Beispiel die Säkularisierung der kirchlichen Güter und
baute so parallel auch eine Gegenposition zum katholischen Landesfürsten, dem Kaiser, auf. Aufgrund der damals vorherrschenden „Türkengefahr“ und dem zur Verteidigung des Landes benötigten Geld, hatte der Landesfürst
kaum Mittel auch gegen den protestantischen Adel vorzugehen. Ein alter Spruch sagt daher „der Türk ist der Protestanten Glück.” Die katholische Kirche in Österreich hat es vor allem dem damals regierenden König
Ferdinand I. zu verdanken, dass das Protestantentum bekämpft wurde, denn dieser hatte schon auf der Salzburger Synode im Jahre 1529 darauf hinweisen lassen, dass er diese Tätigkeit für seinen schönsten Ruhmestitel hielt. So
hatte er bereits am 12. März 1523 ein Verbot evangelischer Schriften erlassen, freilich nur mit dem Erfolg, dass sie umso eifriger gelesen wurden. 1524 wurde der erste protestantische Ketzer in Wien enthauptet und sein
Leichnam auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In den folgenden Jahren wurden noch eine ganze Reihe ähnlicher Mandate gegen den Protestantismus erlassen. Die Lutheranisierung des Landes wurde letztendlich auch dadurch begünstigt,
dass die Kirche dem Adel in seiner Herrschaft konfessionelle Patronatsrechte über sein jeweiliges Gebiet zugestand. So folgten die Bauern üblicherweise der Religion des jeweiligen Herrschaftsinhabers. Kaiser Maximilian II.,
der auch König von Nieder- und Oberösterreich, Böhmen und Ungarn bis 1576 war, musste zwar seinem Vater Ferdinand I. versprechen katholisch zu bleiben, gewährte jedoch den Adelsständen in seinem Herrschaftsbereich
Religionsfreiheit. Dies bezog sich automatisch auch auf deren Untertanen. |
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“Die Unterweisung der Eltern an ihren Kindern in der evangelischen Religion”. Ein zeitgenössischer Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert. |
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Man kann dennoch sagen, dass die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts die Blütezeit des Protestantentums in Österreich war und etwa 70% der Bevölkerung dieser neuen Lehre anhingen. Wie in Deutschland, so war auch in Österreich der Boden für die Reformation längst vorbereitet durch den zunehmenden Verfall der katholischen Kirche und ihres Priesterstandes, der Kirchenleitung und der Klöster. So wird aus der damaligen Zeit berichtet, das ein Drittel des ganzen Grundeigentums Österreichs in den Händen der Kirche war und das viele Pfarreien den Klöstern und Stiften einverleibt waren, sodass deren Einnahmen dorthin flossen und nicht in den einzelnen Pfarreien verblieben, wo ein unterbezahlter Geistlicher sein Amt ausübte. Dieser wiederum musste sich an dem, was der Bevölkerung noch blieb, schadlos halten. Selbst die Bischöfe erklärten sich öffentlich zu den Missständen ihrer Kirche, ihrer sittlichen Entartung, zahlloser Schandtaten, Konkubinaten mit Kindern, Ausschank von Wein, Handelschaften und Wucher, Nachsicht bei Ehebrüchen (wenn entsprechend bestochen wurde), Trunksucht und Fluchen, Lästerung und Streit. Das die Bevökerung aus obigem Grunde unzufrieden mit der bisher vorherrschenden katholischen Glaubenslehre war, ist daher nicht verwunderlich. So findet man in vielen Aufzeichnungen, dass der katholische Priester wegen Trunksucht oder Hurerei aus dem Dorf gejagt wurde |
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