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DER SALZBURGER PROTESTANTENFÜHRER JOSEPH SCHAITBERGER |
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Joseph Schaitberger wurde in Dürrnberg bei Hallein im Salzburger Land am 19. März 1658 geboren. Schon als junger Mann scheint er sich für die
Schriften der Reformatoren, insbesondere die von Martin Luther interessiert zu haben. Joseph Schaitberger wohnte in Plaick, einer Siedlung auf dem Dürrnberg, in umittelbarer Nähe zum Salzbergwerk, wo er als Bergmann im
Salzbergbau arbeitete. Dabei muss man wissen, dass das Salzburger Land damals nicht zu Österreich gehörte, sondern ein eigener katholischer Kirchenstaat war. Unter dem Erzbischof Maximilian Gandolph (1668-1687) brach ein
neuer Verfolgungssturm über die evangelischen Christen herein. Es lag auf der Hand, dass die Führer der Lutheraner, zu welchen Schaitberger gehörte, des Erzbischofs Hass auch am ersten und härtesten zu spüren bekamen. |
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Schon bei der Landung in Salzburg kann man den Dürrnberg in der Ferne sehen (siehe Pfeil). Foto: März 2007. |
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Die Heimat der tapferen Bergleute bei Hallein: Der grün-bewachsene Dürrnberg (links der “2 Fels-Ohren” im Sonnenlicht) hebt sich vor den massiven Ausläufern des Tennengebirges ab. (Eigene Aufnahme, entstanden im Juli 2006). |
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Es war im Jahre 1683, dass Josef Schaitberger mit anderen Anführern in Hallein ins Gefängnis gebracht wurde. Später wurden sie nach Salzburg transportiert, damit sie sich vor dem Hofgericht verantworten möchten. Fünfzig Tage hindurch machten Kapuziner und Jesuiten an ihnen Bekehrungsversuche, jedoch vergeblich. Der Erzbischof verlangte die Namen der Ketzer und ein schriftliches Glaubensbekenntnis. Weil sie rechneten, daß der Erzbischof die Bestimmungen der Augsburgischen Konfession respektieren würde, setzte Schaitberger das verlangte Glaubensbekenntnis auf. Denn nach dem Vertrag von Augsburg durften sie auf stille Duldung ihrer Gottesdienste hoffen oder wenigstens auf eine Vertreibung nach dreijähriger Frist. Doch es kam anders. |
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Der Abtswald auf dem Dürrnberg oberhalb Halleins. Hier traf man sich heimlich und hielt Andacht von einem Felsen (dem “Predigtstuhl”) aus. |
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Nachdem sich alle Bekehrungsversuche als vergeblich erwiesen hatten, wurden die vier gefangenen Anführer zu vierzehn Tagen Zwangsarbeit "bei Wasser
und Brot" verurteilt. Als sie nach Verbüssung dieser Strafe nach Hause zurückgekehrt waren, wurde ihnen mitgeteilt, dass sie und alle, die sich mit ihnen als evangelisch bekannten, ihre Arbeit im Bergwerk und damit auch
alle Vergünstigungen verlören. Wenige Tage später kam aus Salzburg der Befehl, alle lutherischen Knappen hätten das Land sofort zu räumen. Der Verkauf ihrer Güter sei ihnen verboten. Als der Erzbischof Gandolph sah, dass
viele seiner Landeskinder über solcher Grausamkeit heimlich Hab und Gut verliessen und über die Grenze flüchteten, bot er auch solchen, die schon den Ausweisungsbefehl hatten, Gnade an unter der Bedingung, dass sie wieder
katholisch würden. Als dieses Angebot des Erzbischofs erschien, war Schaitberger noch in Salzburg. Er besuchte und stärkte seine Brüder im Glauben, so dass nur sehr wenige schwach wurden und ihren Glauben verleugneten.
Diejenigen, welche diesen Eid nicht ablegten, wanderten freiwillig aus oder sie wurden wie Schaitberger aller Güter und der Kinder beraubt, über die Grenze geschafft. Es wanderten etwa 70 evangelische Familien von Dürrnberg
und Berchtesgaden aus. Alle Kinder unter 14 Jahren wurden den Eltern entrissen, damit sie dem katholischen Glauben erhalten blieben. Das Ehepaar Schaitberger durfte seine beiden Töchter Magdalene und Anna auch nicht mitnehmen.
Es ist ein Schreiben Scheitbergers aus dem Jahre 1701 bekannt, indem er von Nürnberg aus seine Kinder bittet, doch ja dem evangelischen Glauben zu verbleiben. |
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Links: Das ehemalige Salzbergwerk auf dem Dürrnberg (heute ein “Schaubergwerk”).Rechts: Das Verlies auf der Hohensalzburg, in der Jospeh Schaitberger vermutlich mit seinen Glaubensgenossen geworfen wurde. |
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Als Schaitberger 1686 vertrieben wurde, fand er in der reichen Stadt Nürnberg eine neue Heimat. Dort war er zuerst als Dienstmann und Gepäckträger tätig. Später arbeitete er in einer Silberdrahtzieherei. Dreimal reiste er unter größter Lebensgefahr von Nürnberg nach Salzburg zu den dortigen Glaubensgenossen, die in grösster Drangsal lebten. Er tröstete sie und ermahnte zur Standhaftigkeit oder gar zur Umkehr vom katholischen zum evangelischen Glauben. Seiner Frau Magdalena jedoch, einer geborenen Kämmel aus Berchtesgaden, hatte der Verlust der Heimat und der Töchter das Herz gebrochen. Sie starb schon ein Jahr nach der Vertreibung. Es gibt Hinweise, dass seine Tochter Magdalene ihm als Erwachsene mit ihrem Ehemann nach Nürnberg folgte und dort offensichtlich ein Kind zur Welt brachte. |
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Links: Das wohl bekannteste Portrait von Schaitberger. Oben rechts: Ein typischer Sendbrief in Form eines gebundenen Kompendiums.Darunter: Die Schaitberger-Kirche in Hallein (Foto vom Juli 2006). |
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Seinen Lebensabend konnte Schaitberger in Ruhe und Frieden verbringen. Obwohl er nicht Bürger war, wurde er vom Magistrat der Stadt Nürnberg am 22. Oktober 1722 im Alter von 65 Jahren unter die Zahl der "Zwölf armen Brüder" aufgenommen, die im ehemaligen Karthäuserkloster Kost und Wohnung hatte. Fünf Jahre blieb Schaitberger Witwer. 1692 verheiratete er sich ein zweites Mal, und zwar mit einer Emigrantin aus Berchtesgaden, Katharina Brockenberger. Sie starb bereits sechs Jahre später und hinterliess ihm vier Söhne, von denen nur einer den Vater überlebt hat. 1732 und 1733 konnte er noch seine Landsleute begrüssen, die während der Emigration durch Nürnberg zogen und die ihn, der für sie fast zur legendären Person geworden war, mit Ehrfurcht betrachteten. In der Nacht zum 3. Oktober 1733 ist er dort im Alter von 75 Jahren verstorben. Sein Grab wird heute noch auf dem Nürnberger Friedhof St. Rochus gepflegt. |
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